Die Yoga-Kriegerin – Was vorher geschah

2010-2011 kamen mehrere Dinge auf einen Schlag. Meine Mutter erkrankte zum dritten Mal in ihrem Leben an Krebs, ein radikaler und unheilbarer, dieses Mal. Mein Vater und ich begleiteten sie die letzten 2 Tage ihres Lebens auf der Intensivstation.

Ein paar Monate später ließ ich einen geschwollenen Lymphknoten operieren; nicht, weil es medizinisch notwendig gewesen wäre (laut behandelnden Ärzten), sondern weil ich nach dem Tod meiner Mutter eines mieses Gefühl mit einem Knoten im Hals hatte. Seit fünf Jahren hatte ich da diesen Knubbel, jetzt sollte er raus. Die OP entpuppte sich als längst überfällig und dauerte knapp 3 Stunden statt der geplanten 30 Minuten. Ich hatte noch wochenlang mit den Folgen zu kämpfen.

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Im Jahr darauf verlor ich ein Baby durch eine fortgeschrittene Eileiter-Schwangerschaft. Der Narkosearzt besuchte mich nach der OP und sagte mir, eine halbe Stunde später und man hätte wegen der inneren Blutungen nichts mehr für mich tun können. (Er bat mich auch, in diesem Blog über Eileiterschwangerschaften zu schreiben, da viele Frauen von den Risiken immer noch nichts wissen. Ich muss gestehen, dass ich das bis heute total verdrängt hatte. Der Blogpost kommt bald!) Der Schock saß tief. Nicht nur über den Verlust des zweiten Wunschkindes, sondern auch, wie plötzlich alles hätte vorbei sein können. Nur wegen meiner Krankenhausphobie seit dem Tod meiner Mutter …

Ich ging zur Therapie, um das alles aufzuarbeiten. Meine Wunsch-Therapeutin hat während ihres Psychologiestudiums eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin gemacht. Sie praktiziert Ashtanga-Yoga, meine Lieblings-Yogaform (wenn ich denn mal Yoga mache seit der Geburt der Kinder …). Da meine Krankenversicherung die Therapie nicht zahlte, konnte ich mir als Selbstzahler aussuchen, was ich machen möchte. Mein Wunsch: Erstmal Doppelstunden. Eine Stunde „Theorie“, eine Stunde Yoga, in denen ich Asanas lernen würde, die konkret meine Arbeit in der Therapie unterstützen.

Eins der entscheidenen Asanas, das mich dann über das nächste Jahr begleitet hat, ist die Heldinnen- oder Kriegerinnen-Pose. (Ich nenne sie ketzerisch so. Offiziell im Yoga ist es natürlich die Helden- bzw. Krieger-Pose.) Diese Haltung stärkt das Selbstvertrauen ungemein und hilft, schwierige Situationen durchzustehen.

Ich habe in den ersten Monaten nach Therapiebeginn in den seltsamsten Umgebungen die Helden-Pose gemacht. Die abgefahrenste Location  war für mich sicherlich am Flughafen in Katar, vor dem Abflug nach Deutschland.

Der heilsame Nebeneffekt: Zu erkennen, dass es den anderen Leuten herzlich piep-egal war, dass ich da die Heldin mimte. Inzwischen erkennt jeder hinterletzte Typ vom Dorf, was eine Yoga-Haltung ist — und es interessiert keinen besonders brennend, ob man das am Strand, im gläsernen Aufzug oder am Flughafen macht. Die einzige Hemmschwelle ist die eigene Unsicherheit „aber man kann doch nicht einfach … was werden die Leute denken …“

Probier mal ein paar Wochen aus, über den Tag verteilt mindestens drei mal drei Helden-Posen zu machen. Also jeweils drei hintereinander, drei Mal am Tag. Jeweils ein paar langsame Atemzüge in der Position verweilen. Mach sie zusätzlich immer dann, wenn es sich für dich emotional brenzlig anfühlt. (Du kannst dich z. B. auf Familienfeiern kurz im Bad einschließen oder dich in den Garten absetzen.)

Wie man die Pose macht, kannst du hier nachlesen: Die Yoga-Kriegerin.
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ninaweber_seamus_untweakedbutcropped-150x145Nina Webers jüngstes Buch, „Mama macht mal Pause“ erschien im September. Du findest sie auf www.land-der-abenteuer.de, Facebook und Twitter. Sie und ihre Familie sind gerade für 3 Jahre in den Mittleren Osten gezogen und gewöhnen sich an ein Leben mit Pool – bei über 40 Grad im Schatten.

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