Nahrungsergänzungsmittel für Kinder

Laut Recherchen des WDR (Stand: 2013) geben Eltern in Deutschland etwa 30 Millionen Euro durchschnittlich für Nahrungsergänzungsmittel aus, die speziell für Kinder entwickelt wurden. Viele Experten sehen diesen Trend kritisch: In einigen Pillen und Präparaten steckt zu viel „des Guten“. Andere sind vielleicht adäquat dosiert, aber nur angezeigt bei echten Mangelerscheinungen. Beide Arten der Überdosierung sind im besten Falle überflüssig – manchmal allerdings sogar schädlich.

Abwechslungsreiche Ernährung vollkommen ausreichend?

Warum geben Eltern Kindern Nahrungsergänzungsmittel, abgesehen von der ärztlichen Verordnung?
Stiftung Warentest hat neulich die vielen „Lernsaft“- und sonstigen „Schuldoping“-Mittel (unsere Bezeichnung) unter die Lupe genommen, die Eltern inzwischen, aus Angst vor ADHS oder bei Überforderung des Kindes verabreichen. Teilweise enthalten diese Präparate Vitamin E und andere Nährstoffe viel zu hoch dosiert, besonders auch noch dann, wenn sie mit gesunder Ernährung kombiniert werden. Infos zur Untersuchung von Stiftung Warentest zum Beispiel in diesem STERN-Artikel.

Kind nagt rohen Kürbis
Nicht jedes Kind vergreift sich begeistert an rohem Kürbis … ;- )

Im Gegensatz zum etwas fraglichen Gehirn- bzw. Lerndoping kann es aber auch sinnvolle Gründe geben, Vitalstoffe zu ergänzen.

  • So spricht sich langsam herum, dass viele der Gemüse aufgrund von ausgelaugten Böden oder einer wenig optimalen Anbauweise nicht mehr die Vitalstoffe enthalten, die man ihnen nachsagt.
  • Und nur weil z. B. Brokkoli von Natur aus reich an Mineralstoffen und Vitaminen ist (Kalium, Calcium, Phosphor, Eisen, Zink,  Vitamine B1 , B2, B6, E, Vitamin C und Provitamin A, sprich: Carotin), heißt das noch nicht, dass der schon drei Tage in der Gemüsetheke herumliegende Kopf Brokkoli diese Vitalstoffe auch noch in annähernd der Menge enthält …
  • Und dabei haben wir noch nicht gestreift, wie viele Kinder „ganz gesund“ hauptsächlich mit Nudeln/Kartoffeln, Gemüse aus der Dose und Tomatensauce aus dem Glas ernährt werden …

Vitalstoffe aus der Kapsel?

Natürlich gibt es vieles, dass man tun kann, um eine Nährstoffaufnahme über die Ernährung zu optimieren. Da, wo sich z. B. in der Nahrung durch Lagerung oder Zubereitung kaum noch etwas findet, kann es sinnvoll sein, bei Kindern (ab ca. 4 Jahren) zusätzlich Vitalstoffe zu ergänzen. Ebenso in besonderen Situationen:

  • Wachstumsschübe können zum Beispiel einen erhöhten Calcium-Bedarf hervorrufen. (Auch nicht das Magnesium vergessen bzw. den Kinderarzt nach einem Kombipräparat fragen, da Magnesium hilft, das Calcium überhaupt richtig zu verwerten.)
  • Vitamin D, das Sonnenvitamin, das für das Wachstum wichtig ist, wird im Winter nicht ausreichend vom Körper produziert und kann in dieser Zeit fehlen. Selbst im Sommer bekommen Kinder in unseren Breitengraden manchmal nicht genug Sonnenlicht ab, um selbst genug Vitamin D zu bilden. Es gibt viele Gründe dafür: nicht so viele Sonnentage, wenig Zeit im Freien und wenn, dann meist mit großem Sonnenschutz.
  • Kindern und Jugendlichen, die schon früh an eine vegetarische oder gar vegane Lebensweise herangeführt werden, fehlt es oft an Vitamin B12, Eisen, Jod und Calcium. Bei ihnen sollte auch auf die ausreichende Zufuhr pflanzlicher Proteine geachtet werden.
  • Müssen Kinder allergiebedingt oder wegen einer Unverträglichkeit eine Reihe von Lebensmitteln meiden, können auch hier Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. (Knifflig ist z. B. genug Calcium bei Laktoseintoleranz  zuzuführen, wenn man dem Kind nicht andauernd mit Laktase-Enzym versetzte sogenannte „laktosefreie“ Nahrungsmittel geben möchte.)
  • Auch wenn Kinder Gesundes über Wochen oder Monate fast gänzlich verweigern, kann eine Ergänzung sinnvoll sein.

Machen Sie sich Gedanken über die Ernährung Ihres Kindes

An welchen Stellen könnte ein Mangel bestehen?
Ein paar Anhaltspunkte:

  • Kommt dein Kind genug an die frische Luft und Sonne?
  • Gibt’s oft Tiefkühl-Gemüse (möglichst „pur“ abgepackt) und nicht zu Tode gekocht?
  • Gibt’s oft Rohkost aus knackigem, frischem Gemüse? (Kinder stehen auf Rohkost aller Art. Es lohnt sich, auch Sushi etc. mal auszuprobieren.)
  • Isst dein Kind Eier?
  • Gibt es eine abwechslungsreiche Kost (Stichwort z. B. Ampelessen; verschiedene Gemüsesorten) oder immer dieselben Favoriten? Da könnte es sein, dass bestimmte Vitalstoffe zu kurz kommen.
  • Wenn nicht mindestens einmal pro Woche eine große Portion Fisch mit viel Jod auf dem Speiseplan steht (Fischstäbchen zählen nicht ;- ) kann eine Ergänzung mit Jodid (vermutlich 50 Mikrogramm, 1 oder 1/2 Tablette) sinnvoll sein.

Vermutest du Mangelerscheinungen bei deinem Kind,  solltest du einen gut informierten Kinderarzt aufsuchen und deinen Verdacht besprechen. Denn eine Dosierung auf eigene Faust kann knifflig und –besonders bei den fettlöslichen Vitaminen – gefährlich sein.

Fettlösliche Vitamine schaden bei Überdosierung

Überschüssiges Vitamin C wird, da es wasserlöslich ist, einfach über den Urin ausgeschieden. Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A und E reichern sich hingegen im Körper an, mit unschönen bis schwerwiegenden Folgen auf die Gesundheit.  Institute wie z. B.  das Bundesinstitut für Risikobewertung haben eine tägliche Höchstmenge festgelegt, die für Kinder von vier bis zehn Jahren gilt.
An die Höchstmengen halten sich leider aber längst nicht alle Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Ein jüngst im Auftrag des WDR durchgeführter Test offenbarte, dass diese Dosierungen beim Vitamin A teilweise um das Dreifache überschritten wurden. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Vitamin E: Auch hier sollten die Mengen nicht über den Empfehlungen liegen, weil es sich im Körper anreichert. Doch bei einigen Präparaten wurde die Höchstdosis erreicht oder ebenfalls überschritten – und das, obwohl die Kinder bei einer ausgewogenen Ernährung mit Sicherheit noch weiteres Vitamin E aufnehmen.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollten in Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder Mineralstoffe wie Zink und Eisen sogar überhaupt nicht enthalten sein – besonders Letzteres zeigt in einer Überdosierung fatale Folgen: Wird es dauerhaft in zu großer Menge aufgenommen, können Wachstum und Entwicklung gestört werden. (Das gilt übrigens auch für Erwachsene! Ausnahmen sind Vegetarier/Veganer und menstruierende Frauen.)

Wenn du Nahrungsergänzungsmittel kaufst für dein Kind,

  •  Gib ihm immer speziell für Kinder gemachte Mittel.
  • Kauf sie aus qualitativ hochwertigen Quellen, damit du sicher sein kannst, dass die Präparate auf das Wohl des Kindes abgestimmt sind. Diese findest du beispielsweise in der Apotheke – vor Ort oder auch online, z. B. bei der  Europa-Apotheek, die ein breites Sortiment an Nährstoffen für Kinder anbietet.
  • Unbedingt beachten, dass vielen Nahrungsmitteln und Säften für Kinder schon Vitamine und Mineralstoffe beigesetzt sind, selbst den Cornflakes! Die solltest du unbedingt in die Gesamtrechnung mit einbeziehen. Denn, wie schon gesagt: Bei einigen Vitaminen (vor allem den fettlöslichen) und einigen Mineralstoffen ist eine Überdosis ungesund bis extrem schädlich!