Schreib-Anregungen fürs Seelenschreiben / Tagebuchschreiben

Schreib-Anregungen fürs Seelenschreiben / Tagebuchschreiben

Regelmäßiges schreiben nur für sich (also Tagebuch, Morgenseiten nach Julia Cameron oder Seelenschreiben nach Janet Conner) bringt überraschend viel für die Entspannung. Und es kommen nicht nur die Gedanken zur Ruhe, sondern man fühlt sich auch körperlich wohler von nur (regelmäßig) 10 bis 30 Minuten Schreibzeit am Tag. Warum das so ist, daran forscht die Schreibforschung immer noch herum.Wie man es am besten anfängt, stellen wir im Kapitel „Schreibend zur Ruhe kommen“ im „Trotzphasen-Survivalguide“ vor.

Hier jetzt ein paar zusätzliche Schreib-Anregungen besonders für die, die erst einmal „wortlos“ vor dem leeren Blatt sitzen.
Gerade zu Beginn einer regelmäßigen Schreibpraxis nagst Du vielleicht so manches Mal unentschlossen am Stift — worüber schreiben?

Ich schreibe, wo ich bin

Fang in Deinem Hier und Jetzt an.
Was turnt in Deinen Gedanken herum? Wenn Du (bei Abendseiten) den heutigen Tag Revue passieren lässt: Was davon beschäftigt Dich noch? Was fandest Du schön? (Siehe auch die Kapitel “Schreibend zur Ruhe kommen” und “Dankbarkeit trainieren” im Trotzbuch.)
Du kannst auch ganz wörtlich Dein Hier und Jetzt beschreiben, um einen Anfang zu finden:

“Heute habe ich keine Lust und keine Idee, irgendwas zu schreiben. Draußen regnet’s in Strömen, schon wieder. Null-Bock-Wetter. Der Stuhl quietscht bei jeder Bewegung. Mein Hintern tut weh auf dem unbequemen Teil und meine Ohren sausen noch von dem Tobsuchtsanfall, den Marlene vorhin im Bad gekriegt hat …”

Geheimnisse schreiben befreit

Gerade beim Seelenschreiben bietet es sich auch an, mal an älteren Themen zu knabbern.
“Was ich nie jemandem erzählen würde, ist ______”
“Meine Familie hat ein großes Geheimnis, nämlich ___________” etc.

Wenn es Dir heikel erscheint, derartige Aufzeichnungen zu verwahren (zum Beispiel bei nicht gerade positiven Überlegungen über Deinen Partner), dann vernichte guten Gewissens die Seiten nach dem Schreiben! Du kannst sie rituell verbrennen, schreddern, aber auch ganz simpel im Restmüll versenken.

Denn die Schreibforschung weiß: Was sich positiv auf unsere Stimmung und Verfassung auswirkt, ist einzig und allein der Akt des Schreibens!
Das glauben die Leute immer nicht, aber man hat in den USA Studienteilnehmer mit unsichtbarer Tinte schreiben lassen, und es hat sich sich der gleiche positive Effekt auf Psyche und Körper (!) eingestellt wie bei denen, die mit normalen Stiften geschrieben haben.
Auch wichtig zu wissen: Vergangene Aufzeichnungen wiederzulesen, kann sich sogar negativ auswirken – weil man wieder in die angespannte Situation gezogen wird. Den Schreibfluss aus sich rausfließen zu lassen und sich auf das Papier so richtig auszurotzen ist hingegen immer positiv für mentale und körperliche Wellness.

Es spricht also vieles dafür, quasi für den Papierkorb zu schreiben – es schreibt sich viel befreiter, wenn man weiß: Das wird nie wieder eine Sau lesen, auch ich nicht. Keiner dreht mir aus den Wahrheiten, die ich hier hinpacke, je einen Strick.

Nicht so lange schreiben

Wichtig: Nach 30 Minuten immer den Stift weglegen! Damit Du Dich nicht „leer“ schreibst oder in eine negative Stimmung hinein.

 … aber auch nicht so kurz

Mindestens 20 Minuten Schreibzeit (beim schnellen Schreiben) sollten es schon sein, oder eine feste Seitenanzahl, wie es Julia Cameron für die “Morgenseiten” vorgibt. Einfach damit man mehr in die Tiefe sondiert und nicht bei den ersten, oberflächlichen Gedanken hängenbleibt.

Eher kurz und knackig den Frust von der Seele schreiben?

Hast Du gar keine Zeit?

  • Ganz kurz und schmerzlos sind Listen als Denk-/Schreibanstoß, täglich ausgefüllt. Dinge, die ich liebe
  • Meine Lieblingsträume
  • Dinge, die ich hasse
  • Ich mag es gern, wenn …
  • Auf eine Insel würde ich heute mitnehmen …
  • Rituell verbrennen würd ich heute …

Eher spielerisch ist “Mach dieses Buch fertig!” von Keri Smith.

Hier kann man reinschreiben, rumschnippeln, aufs Papier sauen, drin herumkritzeln. Und das ganze ist so gewollt. Steht sogar drauf. Da können sich selbst Buchliebhaber zum befreienden Vandalismus überwinden.

 

Mehr Tipps und Notfall-Tricks findest du in unserem Buch

 

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Anja Bagus, Nina Weber

Der Trotzphasen-Survivalguide

Notfall-Tricks für Eltern mit Kindern zwischen 2 und 5

 

als E-Book und Printbuch erhältlich