Schwangerschaftstests – auf Nummer sicher

Ich habe bei meiner letzten Schwangerschaft 4 Anläufe gebraucht, um ein verlässliches Ergebnis mit einem Schwangerschaftstest hinzubekommen. Und ganz doof bin ich eigentlich nicht. ;-)

Gespräche mit anderen Frauen mit Kinderwunsch haben mir gezeigt: Ich stehe nicht alleine da. Dass ein Test das Ergebnis zeigt, das auch tatsächlich vorliegt, ist besonders im Fall von “schwanger” gar nicht so einfach.

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Hier ein paar Tipps.

Die Schwangerschaftstests sind anscheinend ein lukrativer Markt. Es gibt zig verschiedene Anbieter und Systeme, sowohl in der Apotheke als auch im Drogeriemarkt. Die großen Drogeriemarkt-Ketten haben auch eigene Hausmarken im Angebot.

Die größte Unterscheidung ist “Frühtest” und “Test ab dem 1. Tag der Periode”. Und natürlich die Form des Tests: Es gibt Streifen und Plastikgehäuse. Kauft am besten nur einen Test, bei dem Ihr euch vor dem Kauf die Packungsbeilage durchlesen könnt. Klingt es zu kompliziert mit zu rigiden Zeitvorgaben (siehe unten), wählt Ihr besser einen anderen Test. Versucht auch eine Angabe zu finden, wie empfindlich der Test ist und vergleicht die Produkte.

Frühtests

Der Frühtest reagiert (angeblich!) empfindlicher auf kleinere Mengen des Schwangerschaftshormons HcG. Dafür kostet er auch etwas mehr. Im Drogeriemarkt kosten die preiswertesten Tests zwischen 2 und 5 Euro für einen “normalen” Test, und zwischen 5 und 7 Euro für einen Frühtest. Auf der Packung wird jedes Mal groß geworben mit “99 Prozent Zuverlässigkeit”. Die Firmen, die echte Quoten in der Packungsbeilage angeben, sprechen von ernüchternden 50 Prozent Zuverlässigkeit “3 Tage vor Ausbleiben der Periode”, 2 Tage vorher sind es knapp 10-20 Prozent mehr. Das heißt, dass bei einem negativen Ergebnis trotzdem eine 50-prozentige Chance (oder Risiko, wie man es nimmt) besteht, dass Du schwanger bist. Trotz negativem Test! 50 Prozent sind statistisch gesehen eine enorme Zahl! Du könntest dann eigentlich auch gleich auf Dein Bauchgefühl hören – die Trefferquote dürfte ähnlich hoch sein.

Die beschriebenen “99 Prozent” erreichen viele Frühtests erst “einen Tag nach Ausbleiben der Periode”. Dann kannst Du aber auch einen ganz normalen Test verwenden …

Fazit: Wenn Du unbedingt vor dem Tag, an dem Du Deine Periode bekommen würdest, wissen willst, ob Du schwanger bist, musst Du einen Bluttest beim Frauenarzt oder in der Klinik machen. Dort können schon kleinste Mengen HcG im Blut nachgewiesen werden. So früh Bescheid zu wissen, hat aber nicht nur Vorteile: siehe unten.

Gerührt, nicht geschüttelt

Vorbei die Zeiten, als man einfach irgendwie auf das eine Ende eines Plastikgehäuses pieselte und fünf Minuten später wusste man Bescheid. Zumindest ein Grundstudium Kommunikation und eins Technische Redaktion setzen die meisten preiswerten Schwangerschaftstests voraus. Plus am besten noch ein Grundkurs Biochemie mit Labor-Praktikum, scheint mir. Je preiswerter der Test, desto weniger Schnickschnack drumherum, desto unverständlicher die Anleitung und desto feiner muss anscheinend das Handling sein. “Halten Sie den Teststreifen nie direkt in den Urinstrahl, fangen Sie den Urin in einem trockenen sauberen Behältnis auf. Achtung: Schon Spuren von Reinigungsmitteln können das Ergebnis verfälschen.”

Hm. Hinterlässt eine Spülmaschine “Spuren von Reinigungsmitteln” in einem Becher? Ist Spülen von Hand besser oder schlechter? Soll ich mir einen Urinprobe-Cup aus der Apotheke holen, um ganz sicher zu sein? Aber dann hätte ich auch ein paar Euro mehr für einen Test mit Gehäuse ausgeben können, für den man gar keinen Becher braucht …

“Halten Sie den Teststreifen exakt 3 Sekunden in den Urin.” Das ist schlecht möglich, denn: Du kannst zwar 3 Sekunden auf der Uhr mitverfolgen, aber während Du vom Eintunken (“nur bis zur Markierung!”) hochguckst zur Uhr und wieder runter, ist schon mindestens die nächste Sekunde vergangen.

Das Ablesen wird ein Mini-Kurs in Laborkunde, denn: Es gibt zig Streifenmarkierungen. Und die eine ist das Testfeld, ob man richtig getunkt hat, die andere ist das Ergebnisfeld. Wenn nur nicht alles gleich aussähe … Man soll also abzählen. Der dritte Streifen von unten begrenzt das Testfeld, der fünfte von unten das Kontrollfeld … Oder war es der sechste …?

Die Linie die im Kontrollfeld erscheint ist so dünn, dass man sie gar nicht richtig sieht. Das Testfeld reagiert nicht. Nicht schwanger? Keine Ahnung.

Mein Fazit: Keine Geiz ist geil-Tests mehr aus dem Drogeriemarkt, die noch nicht mal eine Ummantelung haben.

Ungenaue oder schlampig übersetzte Anleitungen

Die große Überraschung: Test Nummer vier aus der Apotheke von ClearBlue. Einer der meistgekauften Tests, so sagte man mir. Jedoch: Die Anleitung scheint von einem Google-Roboter ins Deutsche übersetzt worden zu sein. Mit einem verständlichen deutschen Text hat das nicht viel zu tun. Unglaublich bei dem Preis!

Die Anleitung ist auch sehr ungenau. So ist es je nach Test verschieden, ob er ganz waagerecht liegen soll während der Einwirkzeit oder schräg. Welche Variante gewünscht ist, steht in der Anleitung jedes Tests. Oder aber, wie hier, dass Du den Test auf eine Untertasse legen sollst. Tja, von Rand zu Rand, damit er gerade liegt? Oder ein Ende auf dem Rand aufgebockt, damit er schief liegt? Und welches Ende soll bitte hochliegen? (Bei anderen Tests steht es dabei, teilweise sogar mit technischer Zeichnung.)

Und dann die Anzeigefelder … Ein langer und umständlicher Text beschreibt, wie sich welche Linien bilden, um dir ein “schwanger” oder eben “nicht schwanger” anzuzeigen. Ich musste es ein paar Mal lesen und die Zeichnungen studieren, um die simple Tatsache zu kapieren: Ein Kreuz bedeutet “schwanger”, erscheint nur ein Strich “nicht schwanger”. So einfach könnte das beschrieben sein.

Trotzdem ein himmelweiter Unterschied zu Tests, von denen man aus den USA munkeln hört. Du benetzt ein Ende mit Urin, die Testspitze verfärbt sich, wenn genügend Urin drauf ist – und egal wie Du den Test hältst oder ablegst: 5 Minuten später erscheint im Testfeld ein Herzchen, das Dir sagt “Du bist schwanger”. Oder es erscheint eben nichts und nur im Kontrollfeld erscheint ein Strich. Kein Rätselraten.

Zu welcher Tageszeit mache ich den Schwangerschaftstest?

In den Tests steht unisono, dass Du ab dem Tag Deiner fälligen Periode den Schwangerschaftstest zu “jeder Tageszeit” machen kannst. Ignorier’ das am besten und verwende immer den Morgenurin. Dort ist die Konzentration des Schwangerschaftshormons HcG einfach am höchsten. Und Du wirst vermutlich vor einem Bluttest nicht wissen, ob Du zu den Frauen gehörst, die zu Anfang der Schwangerschaft einen sehr niedrigen HcG-Wert haben. Ich gehöre dazu – und weiß inzwischen, dass bei mir nur Tests mit Morgenurin “schwanger” zeigen, auch wenn ich schon 1 Woche über meine Periode bin.

Vor- und Nachteile, wenn man einen Schwangerschaftsfrühtest macht

Zu früh zu wissen, dass man schwanger ist, hat Vor- und Nachteile. Bei einem Kinderwunsch willst Du natürlich möglichst schnell wissen, ob es geklappt hat. Bei etlichen Frauen bleibt auch die Periode einige Tage aus – nur weil die Anspannung so groß ist über “hat es diesmal geklappt oder nicht?”. Setzt die Periode dann ein, ist die Enttäuschung umso größer. Hier ist ein negativer Frühtest zwar enttäuschend, aber man weiß dann, woran man ist. (Oder auch nicht: siehe Unzuverlässigkeit oben)

Gerade in den ersten Wochen ist die Schwangerschaft auch sehr verletzlich. Man hört immer wieder, dass das “Alles oder Nichts”-Prinzip gelte. Gerade in der Frühschwangerschaft kann ein Embryo durch Medikamente, Alkohol, eventuell große Mengen Koffein und andere Schadstoffe geschädigt werden. Besonders in den ersten Wochen – also genau dann, wenn man oft noch gar nicht weiß, dass man schwanger ist. Die Zellmasse ist aber noch so undefiniert, dass einige Schäden jetzt noch ausgeglichen werden können (später nicht mehr). Ist der Schaden zu groß, kommt es zum Verlust der Schwangerschaft, zum Abort. Daher “Alles oder Nichts”. Die schmerzhafte Kehrseite ist: Eben dieses “Nichts”. Lebst Du nicht gesund in den ersten Wochen der Schwangerschaft, erhöhst Du das Risiko, dass die Schwangerschaft ganz früh beendet wird. Und die Rate ist bei Frauen über 30 sowieso schon bei ca. 50 Prozent. Früh Bescheid zu wissen, kann also gut für die Schwangerschaft sein.

Andererseits sind da diese 50 Prozent natürliche Aborte … Ohne einen Frühtest hättest Du vielleicht einfach verspätet Deine Tage bekommen, eventuell etwas stärker als sonst, und hättest Dir nichts dabei gedacht. Mit positivem Frühtest weißt Du, dass Du schwanger bist – und verlierst eventuell die Schwangerschaft, ohne etwas dagegen tun zu können. Einfach weil mit dem Embryo etwas nicht gestimmt hat oder der Körper gerade ein Problem mit einer Schwangerschaft hat (z.B. wenn Du eine starke Grippe hast o.Ä.).

Gerade weil Frühtests mit Urin so unzuverlässig sind, kann es besser sein, einfach bis zur Periode so zu leben als seiest Du schwanger, auch wenn Du Dir nicht sicher bist. Bleibt die Periode aus oder hast Du nur eine sehr leichte (Einnistungs-)Blutung, machst du einen Test mit Morgenurin.

Ich drücke dir die Daumen, dass das Test-Ergebnis das ist, das du dir erhoffst – ob nun schwanger oder nicht-schwanger. :-)

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ninaweber_seamus_untweakedbutcropped-150x145Nina Webers jüngstes Buch, „Mama macht mal Pause“ erschien im September. Du findest sie auf www.land-der-abenteuer.de, Facebook und Twitter. Sie und ihre Familie sind gerade für 3 Jahre in den Mittleren Osten gezogen und gewöhnen sich an ein Leben mit Pool – bei über 40 Grad im Schatten.