Von Gurkenschlangen und Karottenpüreebergen – Der tägliche Kampf gegen den Gemüseboykott

Gastbeitrag von Kirsten Bauseler.

Meine Kinder mögen kein Grün. Zumindest nicht auf ihrem Teller. Sie mögen dort auch kein Orange, wenn es sich um gekochte Möhren handelt, kein Gelb – gedünstete Paprika – und oftmals sogar kein Rot – Tomatensoße! Allein die Ahnung, dass sich in einem Gericht Spuren von Gemüse befinden könnten, verdirbt ihnen schlagartig den Appetit. Petersiliensträusel werden akribisch vom Schweinebraten gepickt und auch noch das kleinste grüne Blättchen aus der Hochzeitssuppe gefischt. Spargel, Broccoli, Lauch oder Blumenkohl?- Undenkbar! Mit Spinat habe ich es gar nicht erst probiert.

Vermutlich hätte ich gar kein Problem damit, wenn man uns Müttern nicht mit dem ersten Babyratgeber eingeimpft hätte: Diese Nahrungsmittel enthalten alles, was Kinder brauchen – Vitamine von A bis Z, Mineralstoffe, Ballaststoffe, bioaktive Substanzen, Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe, und, und, und … Also versuche ich nun seit Jahren meinen Kindern das Gesunde schmackhaft zu machen. Genauso kreativ, wie erfolglos.

Rotkohl-Avocado-Salat aus dem Laktosefrei schwanger Kochbuch
Ich habe Karotten püriert und zu Bergen geformt, auf denen lustige Paprikamännchen kraxelten, habe in stundenlanger Kleinarbeit Zuccinifischchen ausgestochen, die dann in einer Tomatensuppe schwimmen durften und Gurken zu Schlangen mit komischen Gesichtern arrangiert. Meine Kinder fanden das toll! Die Paprikamännchen sind die Berge hoch und runter geklettert, die Fische eifrig geschwommen und die Schlange hat gezischt und gekämpft bis sie müde auf dem Teller liegen blieb.
Die Versuche, das Gemüse klammheimlich unterzujubeln – versteckt in Aufläufen, püriert in Fleischbällchen – haben mir vermutlich das lebenslange Misstrauen meiner Töchter eingebracht.

Morticias Suppe aus dem Laktosefrei schwanger Kochbuch
Suppengesicher sind auch verdächtig ;- )

Gut gefiel ihnen hingegen wieder das ausgeklügelte Belohnungssystem, das ich mir später ausdachte: Ich entwarf Blätter mit tanzenden Gemüsemännchen, in die meine Töchter erfolgreiche Probierversuche eintragen konnten. Als Belohnung winkten Eis essen gehen, Ausflüge, Bastelnachmittage, Gummibärchen und sonstige Lockmittel. Hier stritten wir uns nun ganze Mahlzeiten darum, was Probieren bedeutet: Reicht schon eine halbe Erbse, eine viertel Karottenscheibe und ein Millimeter Spargel, um die Bedingung des Probierens zu erfüllen? Reichen bereits homöopathische Dosen, um überhaupt den Geschmack eines Lebensmittels wahrzunehmen? Darauf folgte dann schonmal das völlig entnervte, autoritäre: DAS WIRD JETZT EINFACH GEGESSEN!!! Mit der Folge, dass meine Kinder in Heul- und Würgekrämpfe ausbrachen. Auch nicht schön …

Neulich kam dann die Nachbarstochter zum Babysitten. Die Heldin meiner Töchter. Neben dem Vorlesebuch brachte sie einen Riesenteller Rohkost mit, warf die langen Haare in den Nacken und verkündete: „Ich esse jeden Tag total viel Obst und Gemüse, das ist super für Haut und Haare und für die Figur natürlich sowieso.“ Ungläubig beobachte ich seitdem, wie meine Töchter ohne eine Miene zu verziehen Broccoli, Blumenkohl oder Bohnen(!) probieren und abends einen ganzen Rohkostteller wegputzen …

Über die Autorin

Kirsten  hat lange Jahre als Pressereferentin in einem großen Sachbuch- und Ratgeberverlag und zuvor als Journalistin gearbeitet. Inzwischen ist sie als freie Texterin und PR-Referentin tätig – und Mutter von zwei Töchtern (10 und 5 Jahre).

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