“Das darf nur die Mama machen!” Teamleiter Kind?

Manche Kinder neigen dazu, den Freizeit-Schiedsrichter zu geben (siehe zum Beispiel den Kindertyp > “Schiedsrichter/in” im Trotzphasen-Survivalguide), aber versuchen tun es alle gern mal.
Die kleinen Schiedsrichter genießen es, wenn sie die Regeln machen: “Heute muss mir Mama vorlesen”, “ich lass mir nur von Papa die Haare waschen”. Solche Präferenzen haben sich oft eingeschlichen, lange bevor das Kind überhaupt sprechen konnte. Was tut man nicht alles in den ersten zwei Lebensjahren, um das kleine Kind bei Laune zu halten. ;- ) Wenn das Haarewaschen bei Papa klaglos klappt, es bei Mama Mordsgezeter gibt, dann wäscht halt Papa die Haare …

Meist merkt man erst spät, dass man(n) sich willig dem Teamleiter Kind untergeordnet hat. Denn es ist ja auch richtig süß, wenn das Kind mit Wünschen wie “heute soll mir Mama etwas vorlesen” einem Elternteil signalisiert: “Ich finde es so toll, wie du XX mit mir machst, ich möchte das NUR mit dir machen.”

Wenn man sich diesen Wünschen beugt, wird allerdings leider schnell ein ‘Muss’ daraus. Und wenn der Wunsch dann mal nicht erfüllt wird — vielleicht will Papa jetzt endlich auch mal wieder etwas vorlesen “dürfen” oder Mama ist schlicht nicht da –, dann gibt’s Mordsgezeter.

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Wenn Kinder entscheiden, wo’s langgeht

Besonders häufig schleicht sich so etwas ein in Familien, wo die Eltern es verpasst haben, sich zu einigen und vor dem Kind eine geschlossene “Front” zu präsentieren. In solchen Situationen bekommt das Kind zu viel Macht – und manche Kinder nutzen diese Macht, um die Eltern gegeneinander auszuspielen.
Zur Lösung der Situation kann man sich beim Hundetraining etwas abschauen.

Ja, wirklich. :- )

Vielleicht kennen Sie Martin Rütter, der seit einiger Zeit die TV-Gemeinde begeistert, wenn er verzweifelten Hundebesitzern Tipps gibt, wie sie ihren Fiffi wieder in den Griff bekommen. Oft erzieht Herr Rütter dabei ganz unmerklich die Herrchen und Frauchen. Denn mit den Hunden ist oft alles in Ordnung, sie reagieren nur auf Fehlverhalten ihrer Besitzer! Zum Beispiel gibt es viele Hunde, die ihre Herrchen oder Frauchen maßregeln. Sie bellen sie an, zupfen an ihnen, knurren oder gehen dazwischen, wenn die Besitzer sich umarmen. Diese Hunde haben zu viel Macht bekommen. Im Hundekopf sind sie der Herr im Haus, und können die Regeln bestimmen. Die Hundebesitzer finden das eine Weile lang witzig, dann nervig. Oft kommt dann schnell eine Gegenreaktion und sie werden ganz streng zu dem Hund (den sie gerade selbst aufs Sofa geholt haben …).
Herr Rütter macht den Hundebesitzern klar, dass der Hund die Strenge nicht versteht, und auch nicht nötig hat. Die Machtverhältnisse müssen wieder richtig gestellt werden. Und das geht auch liebevoll.
Genau das lässt sich auf Kinder anwenden.
Jetzt sind einige sicher entrüstet, und meinen, man könne Menschen doch nicht mit Hunden vergleichen. Ja, das sollte man nicht tun: aber der Mechanismus, der dahintersteckt, der lässt sich vergleichen.
Das Kind sollte immer wissen, wo sein Platz ist, in Relation zu Mama und Papa.

Im Kapitel “Papa kommt!” des Trotzphasen-Survivalguides haben wir erklärt, warum es so wichtig ist, dass die Mama beim Heimkommen des Vaters zuerst begrüßt wird. Es gibt noch weitere Regeln:

  1. Das Kind sollte nicht immer mitbestimmen! Das ist für alle Bereiche wichtig. Den Kindern heute wird viel Entscheidungsspielraum gegeben. Aber die Grenzen des Spielraums sollten immer die Eltern bestimmen. Das gilt vor allem für Essen und Fernsehen. Aber auch für andere „Privilegien“. Viele Eltern hören überall nur noch Kindermusik oder Kinderhörspiele. Beides ist im Kinderzimmer okay, und auf langen Autofahrten kann man sich ja abwechseln. Aber das Kind sollte nicht immer das Privileg haben, das Hörprogramm auszusuchen.
  2. Konflikte zwischen den Eltern sollten nicht über das Kind oder im Beisein des Kindes ausgetragen werden. Kinder werden instrumentalisiert und das ist nicht gut für sie. Kinder fühlen sich schnell schuldig (auch wenn sie gar nicht Schuld an dem Konflikt sind!) und passen ihr Verhalten auch schwierigsten Situationen an. Kinder möchten immer „heile Welt“ und sie werden viel dafür tun. Man sollte den Konflikt nicht vor ihnen verbergen, aber austragen soll man ihn ohne sie!
  3. Die Eltern müssen Kindern liebevoll klarmachen, dass sie ein Paar sind und Zeit für sich alleine brauchen (siehe Kapitel “Papa-Mama-Zeit” im Trotzphasen-Survivalguide). Dass es Dinge gibt, die man ohne Kind machen muss. Sie sollen nicht ausgeschlossen werden, aber man muss z. B. nicht immer nur kindgerechte Ausflüge machen, wenn man früher mal Extremkletterer war!

Hat man seinen Kindern klar gemacht: “Mama und Papa sind eine Einheit, du gehörst dazu, aber wir bestimmen”, dann brauchen sich Kinder nicht verantwortlich zu fühlen.
So wie die Hunde es erleichternd finden, sich von ihren Herrchen beschützt zu wissen, und sich nicht mehr um sie kümmern zu müssen (das ist für die Hunde nämlich kein Spaß sondern Stress), so gehört es auch zum Kindsein dazu, dass man sich in einem festen Rahmen geborgen fühlen kann.
Denk an die Zukunft: Wie wirst Du Dich fühlen, wenn Dein Vier- oder Fünfjähriger das Haus abbricht mit seinem Getobe, weil Du es wagst, Dich seinen Wünschen zu widersetzen? Halte das momentane Gezeter zwischen 2 – 5 Jahren aus, in dem Wissen, dass es einem Kind überhaupt nicht gut tut, wenn es sich als “stärker” als die eigenen Eltern erlebt. Es darf einen Wunsch äußern, ja, aber wenn Du diesem Wunsch nicht entsprechen willst, dann muss das Kind den Kürzeren ziehen.
Wir haben nichts gegen Mitbestimmung! Kinder sollten erleben können, dass sie Dinge bewegen können (> Selbstwirksamkeit), dass ihre Meinung wichtig ist und dass ihre Taten Auswirkungen auf die Welt haben. Nur so erzieht man einen mündigen Menschen.
Aber auch das will wohldosiert sein. Geben wir Kindern zu viel Macht, rauben wir ihnen auch die Kindheit. Denn Kinder sollen sich um Kinder-Dinge kümmern, und nicht die Erwachsenen überwachen aka “das Team Familie leiten”.

 

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