Halloween mit der Familie feiern
Es hat einen Grund (eigentlich mehrere) warum Halloween eins meiner Lieblingsfeste ist. Jeder, der nur das übliche Karnevals-ähnliche “spukige Halloween” kennt, schüttelt den Kopf, wenn ich meine Leidenschaft verkünde. Allerdings mag ich ja auch alles mögliche, das eher “gothic” ist. Also gefällt mir natürlich die viele schwarze Deko, die applizierten Spinnen und die Fledermäuse. Und die Hexen sowieso. Niedliche Geister? Gerne. :- )
Aber das ist nicht der wirkliche Grund, wieso sich Halloween während meiner Studienzeit zu meinem Lieblingsfest gemausert hat.

Halloween, auch “Samhain” (So-wen gesprochen) genannt, findet genau an der Schwelle zwischen Herbst und Winter statt. Wenn wir Glück haben, erleben wir einen goldenen Oktober mit noch richtig warmen Tagen. Die Bäume verlieren nach und nach ihre Blätter in einem farbenfrohen Rausch. Und dann kommt der November. Es wird richtig knackig kalt, die Bäume sind kahl, die Nächte lang. Man mag sofort glauben, dass es früher hieß, die Tage um Samhain läuteten die “time of no time” ein, die Zeit außerhalb der Zeit. Eine dunkle Zeit, die sich erst mit den Lichtern rund um die Wintersonnenwende wieder erhellte und deren Bann erst im Februar mit dem Wiedererwachen der Natur richtig gebrochen wurde.
Und nichts verdeutlicht diesen Schritt vom Herbst in den Winter für mich so, wie die Extreme dieses Festes: Dunkelheit und Kälte auf der einen Seite, warmes Kerzenlicht und orangene Farbtöne auf der anderen Seite. Das Fest, an dem wir der Toten gedenken – und das wir mit Freunden und Kindern gemeinsam feiern.
Man sagte, dass diese drei Tage um Halloween, der 31.10. bis 2.11. ganz besondere Tage waren. “Der Schleier zwischen den Welten ist an diesen Tagen dünn” – das kann man auch heute noch in vielen Fantasy-Büchern lesen. Es wurde der verstorbenen Ahnen gedacht (ein Überbleibsel davon sehen wir am 1.11.) und die Menschen stellten mit Kerzen erleuchtete Kürbisse vor die Tür, um Wesen wie zum Beispiel Feen abzuschrecken, die vielleicht den Schritt in unsere Welt an diesen Tagen geschafft hatten. Die Zeit eignet sich angeblich auch sehr gut zum Wahrsagen.
So viel zur Geschichte. Wie feiert man denn ein schönes Halloween-Fest?
Eher nicht als Party, denn das wird zu schnell zu einem zweiten Karneval.
Ich habe es so erlebt:
Ein Elternpaar lädt Verwandte und Freunde mitsamt aller Kinder zu sich ein. Das Haus der Gastgeber ist warm erleuchtet mit Kerzen, Lichterketten und typisch Halloween-mäßig dekoriert.
Es gibt natürlich Kürbissuppe und ein Büffett. Jede Familie bringt mindestens einen ganzen Kürbis zum Schnitzen mit und einige Herbst-Snacks – von selbstgerösteten Kürbiskernen (sehr lecker) bis zu Muffins in allen Varianten oder Salate. Und natürlich die amerikanische “Pumpkin Pie”, ein quietsch-orangener oder gelber Kuchen mit Kürbiscrèmefüllung.
Die Kinder sind alle für Halloween verkleidet. Auch einige der Erwachsenen konnten sich nicht zurückhalten. Die Kostüme sind “düsterer” als bei unserem Karneval hierzulande. Aber es gibt, besonders für Kinder, auch richtig süße Sachen, zum Beispiel kleine Kobolde und Feen.
Okay, ich kann dem Drang nicht widerstehen und muss diese kleine Fee zeigen, die 2009 den ersten Platz gemacht hat bei den Halloween-Artikeln auf Etsy:
Der Boden wird mit Zeitungspapier abgedeckt und alle schnitzen und schaben und schneiden eifrig an den Kürbissen oder sitzen zusammen und knabbern Snacks, während sie sich unterhalten.
Wenn es stockdunkel ist, werden die Kürbisse draußen mit Kerzen erleuchtet und einige der Eltern begleiten die Kinder beim Trick-or-Treating (“Süßes oder Saures” sagt man hier). Die anderen bleiben zu Hause, genießen das Essen und die Stimmung im Kerzenschein, während sie sich gruselige Anekdoten erzählen (keine Ahnung, wieso jedes Jahr mindestens ein Horrorerlebnis beim Zahnarzt erzählt wird ;- ). Und draußen vor der Tür gleitet die Welt aus dem Herbst in den kalten Winter.


